Warum ich meine (berufliche) Vielseitigkeit als Chance sehe

Es ist jetzt fünf Monate her, seitdem ich die Geschäftsführung von Mit Ecken und Kanten abgeben habe. Fünf Monate, von denen ich dachte, dass ich jetzt schon viel weiter sein würde. Wo genau, das wusste ich nicht. Ich dachte, dass ich ihn schon längst gefunden hätte: meinen nächsten Jobtitel. Und doch sitze ich jetzt hier, in meinem Apartment in Barcelona und frage mich, ob es das denn überhaupt braucht. Ob ich mich als Mensch in eine Begrifflichkeit pressen muss. Fast so wie in die enge Sportleggings, die ich dann doch nicht behalten habe, weil sie mir fast die Luft abschnürt. Denn wenn ich eine Sache in den letzten Monaten festgestellt habe, dann ist der Wunsch, dass ich wieder atmen möchte. Dass ich nicht das Gefühl habe möchte, in irgendwas hineingepresst zu werden. Ich habe keine Lust mehr auf klemmende Schubladen und starre Begrifflichkeiten. Vielmehr wünschte ich mir, dass ich mich endlich traue, meine Vielseitigkeit zuzulassen und nicht das Gefühl haben zu müssen, meinen persönlichen Wert auf nur eine Begrifflichkeit zu reduzieren.

Ich erinnere mich plötzlich an einen Artikel zurück, auf den ich vor ein paar Monaten durch Zufall gestoßen bin. Laura Lewandowski schreibt dort, dass sie sich selbst nicht mit ihrem Job identifiziert. Stattdessen identifiziert sie sich mit ihrem Thema bzw. ihren Themen. In ihrem Fall sind das z.B. Smart Work und Business & Wellbeing. Sie plädiert dafür, unsere persönlichen Synergien zu nutzen, die sich ganz automatisch ergeben, wenn wir unsere Vielseitigkeit zulassen.

Das ist zugegebenermaßen genau das Gegenteil von dem, was wir während unserer Schul- und Studienzeit eingetrichtert bekommen: Schau, was du einigermaßen gut kannst, such dir einen Ausbildungs- oder Studienplatz und dann bist du angekommen im Traumjob. Was so viel bedeutet wie: Such dir einen Job und leg dich damit auf eine Sache fest. Ich würde nicht sagen, dass das per se ein totaler Irrweg ist. Ich glaube sogar, dass das für den Anfang, für die ersten Schritte in ein Arbeitsleben hilfreich sein kann. Ich bin eher der Meinung, dass wir uns mit der Zeit einfach viel bewusster damit auseinandersetzen sollten, wo und wie wir unsere Fähigkeiten einsetzen möchten.

Und da kommen dann die eigenen Themen ins Spiel. Diese können uns dabei helfen, in die richtige Richtung zu gehen und wirkliche Erfüllung in unserem beruflichen Tun zu erfahren. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob die Themen, für die wir uns entscheiden scheinbar total weit entfernt voneinander liegen oder offensichtlich total nah. Am Ende geht es doch darum, sich wirksam zu fühlen und in den Themen aufzugehen.

Ich überlege mir, was wohl meine Themen sind und erinnere mich, dass ich diese gleich als allererstes auf meine Webseite gepackt habe: „Unternehmer*innentum, Social Start-ups, New Work, Nachhaltigkeit, Systemisches Coaching, Mentoring“. Was mir in diesem Moment allerdings auffällt, ist die viele Anzahl an Themen. Ich mache mir sofort wieder Gedanken darüber, ob das nicht zu viele Themen sind. Sollte ich mich nicht lieber auf ein, zwei Themen beschränken? Und da wird mir klar: Alle Themen sind für mich miteinander vernetzt. Alle Themen stehen für mich in Zusammenhang und sind Vehikel, um eine Sache zu erreichen: den Status quo infragezustellen und Veränderung zuzulassen. Dinge auszuprobieren und den Mut zu haben, nach vorne zu schauen und den eigenen Weg zu gehen. Egal, ob das durch die eigene Unternehmensgründung oder Selbstständigkeit passiert, durch Impulse, die ich in die Organisation einbringe, in der ich aktuell arbeite oder durch persönliche Weiterentwicklung. Am Ende geht es mir darum, selbstbestimmt durchs Leben zu gehen. Die Rollen, die ich dafür einnehmen kann, sind vielseitig und genau das liebe ich daran. Ich kann meine Erfahrungen als Gründerin und Unternehmerin in Mentorings einbringen, kann Menschen auf ihrem persönlichen weg als Coachin begleiten, neue, nachhaltige Business Ideen als Impact Investorin unterstützen und und und.

Lasst uns also mal mehr an unseren Themen arbeiten, anstatt uns an starren Jobtiteln festzukrallen.  

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert